CODICO IMPULSE 01/2004

DAS CPU-MODUL KONZEPT ETX - EIN STANDARD SETZT SICH DURCH!

DIE DISKUSSION UM STANDARDS IN DER FELDBUSEBENE SCHEINT AUCH IN DER PC-BASIERTEN AUTOMATISIERUNG AUFZUKEIMEN.



Ob es aber ein Kampf um das bessere Konzept ist oder nur die Nutzung des Fahrwassers eines Vorreiters, sollte der Anwender entscheiden. Hierfür braucht er möglichst klare Fakten. Dieser Beitrag soll erklären, warum das ETX Konzept so ist, wie es ist.

In letzter Zeit tauchen vermehrt CPU-Module für kundenspezifische Baseboards auf, die sich mit dem von der ehemaligen JUMPtec AG, heute KONTRON Embedded Modules GmbH, im Jahre 2000 offengelegten CPU-Modul-Konzept ETX vergleichen. Doch dieser Vergleich allein macht noch keinen neuen Standard oder Formfaktor, sondern ist zunächst einmal ein alternatives Produkt. Es ist also an der Zeit, den Grad der Standardisierung und die technischen Features der Entwürfe sachlich zu hinterleuchten.

Prozessor und Bauteillage
ETX liefert den CPU-Building-Block als Zukaufmodul für kundenspezifische Applikationen, das über gelötete Stecker (4 x 100 Pins), also ohne Kabel, mit einem Baseboard verbunden wird. ETX bietet dabei die Freiheit, alle am Markt verfügbaren x86er Prozessoren verwenden zu können. Spezifikationen, die lediglich die Lage der Prozessoren berücksichtigen, sind nicht hinreichend, denn es spielen noch andere Faktoren wie z.B. die Bauhöhe der CPU und die Fertigungstoleranzen der Gehäuse und der Lötungen (speziell bei Ball-Grid-Array) eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Der ETX Standard berücksichtigt diese mit dem Heatspreader. Die Folge ist, dass alle Unterschiede zwischen den CPU's - sowohl mechanisch als auch thermisch - für den OEM Anwender nicht mehr relevant sind. Darüber hinaus erfüllt der Heatspreader auch die thermische Kopplung anderer Bauteile außer der CPU wie z.B. Chipsatz und Video Controller. Diese one-for-all Lösung führt gleichzeitig dazu, dass das Mechanikkonzept auf der OEM Seite einheitlich ausgeführt und damit standardisiert werden kann. Das Kühlkonzept mittels Heatspreader besticht durch die Einfachheit: Durch eine große Kühlfläche von mehr als 100cm² sind aufwendige und teure thermische Kopplungen (Heat-Pipes etc.) nicht notwendig. Die Temperatur kann einfach über Gehäusewände oder über Kühlkörper im spezifizierten Bereich abgeleitet werden. Je nach verwendeter CPU reicht dabei oftmals ein passiver Kühlkörper aus, um den Systemanforderungen gerecht zu werden.

Arbeitsspeicher - stecken oder löten?
Verlötete Speicherchips binden Kapital und beeinträchtigen den maximalen Speicher-Ausbau. Beim ETX-Standard wurde deshalb auf die feste Verlötung verzichtet mit dem Vorteil, dass der modulare Speicherausbau beliebig - eben nach Anwendungsbedarf - skaliert werden kann, und dass die Speichermodule erst dann bestückt werden müssen, wenn sie zur Auslieferung kommen. Dies ist preislich immer zum Vorteil der Kunden.

Ein Standard muss einen gewissen Freiheits-Grad besitzen und dennoch möglichst viele Features eindeutig definieren und offen legen. Berücksichtigt man beide Aspekte nicht hinreichend, können die Economics of Scale eines Standards nicht voll ausgenutzt werden. Moderne Speichersockel bieten ausreichend Sicherheit bei Schock und Vibration, wie Millionen von Notebooks gezeigt haben.



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Egon Brunnhuber, DW 61




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